Afrika! Afrika! in Fulda

(Fulda) Mitten im eisig-winterlichen Fulda eine Reise auf den Schwarzen Kontinent, zu den Menschen mit ihren Tänzen, ihrem Körpergefühl und ihrer Lebensfreude? Die Show „Afrika! Afrika!“, präsentiert von Show Factory & Semmel Concerts im Esperanto-Kongress- und Kulturzentrum machte es möglich. 2005 von André Heller erdacht, in Kooperation mit schwarzafrikanischen Akrobaten und Tänzern zu einer glanzvollen Show entwickelt, wird sie nun vom Choreografen und Tanzgenie Georges Momboye (Elfeinbeinküste) mit neuen Ideen weitergeführt.

Musste das große Publikum erst aufgeheizt werden? Ganz im Gegenteil: Eine faszinierende Light Show zog alle Blicke auf die Bühne, die, in rotes Licht getaucht, einen Hintergrund riesiger rot-weißer Masken zeigte. Tiergötter, die Glück bringen sollen oder ein Jagdzauber? Musik von Gitarren, Bass, Keyboard klang auf, Bongos, Trommeln, Percussion, Instrumente aus den Heimatländern der Musiker elektrisierten und bald kam ein weiteres Rhythmusinstrument dazu: das Publikum, das sich immer wieder zum Mitklatschen begeistern ließ. Als sei das noch nicht intensiv genug, tauchten die Wingate Akrobaten aus Äthiopien auf, formierten sich zu Körperornamenten von scheinbar spielerischer Leichtigkeit, standen im Handstand auf dem Kopf des anderen, als gäbe es keine Schwerkraft, kein Gewicht.

Zwar dem Boden verhaftet, aber von einer Leichtigkeit ganz anderer Art zeigte sich ein „Schlangenmensch“, der Kontorsionskünstler Khatib Juma aus Tansania. Bald berührte er mit seinen Fersen den Hinterkopf, bald bog er seinen Rücken wie ein Taschenmesser zusammen und steckte den Kopf zwischen den Beinen hervor, bald wirbelte er in einer 360 Grad-Spirale über die Bühne und das Publikum hielt den Atem an. „Sanddorn Balance“ nennt der US-Amerikaner Jacobs Andreis seine Performance mit langen schmalen Hölzern, einer Art Riesenzahnstocher. Er hob die sperrigen Gebilde eins nach dem andern auf, ohne das bereits Aufgetürmte zu verlieren. Nach und nach baute sich ein fragiles Holzgebilde auf, Palmen- oder vielleicht auch Dornstrauch-ähnlich, das er zum Schluss der unglaublichen Nummer mit einem einzigen Stab auf dem Kopf balancierte!

Und wieder die Überwindung der Schwerkraft: das „Duo Happy“ aus Äthiopien. Zwei junge Männer, der eine fast noch ein Kind, zeigten eine ikarische Nummer in Perfektion. In Salti wirbelte der Jüngere in der Luft, landete unfehlbar auf Händen und Füßen des unten Liegenden, eine Performance von Kraft und Körperbeherrschung. Stühle als akrobatisches Gerät nutzte der Artist Yusuphua Fuko aus Tansania, baute einen fragilen Turm, an dem er sich nach oben schwang, um im Handstand das Gebilde zu krönen. Basketball akrobatisch und komödiantisch zugleich? Das können die „American Slam Dunkers“, die mit Salti und Schwüngen die Luft selbst zum Spielfeld machten.

Eine Afrika-Show ohne Tanz – undenkbar! Der Ägypter Mohammed Abdelkerim Elsayed zeigte im Traditionsgewand den der wischtanz Tanoura, ließ in den endlosen Drehungen Ornament-Scheiben wirbeln – ein faszinierendes Bild. Aus Südafrika kamen die Gumboot Dancer im Bauarbeiter-Outfit, machten stampfend, Silben skandierend ihre eigene kraftvolle Tanzmusik. Ebenfalls aus der Südspitze des afrikanischen Kontinents stammten die Breakdancer, während eine Gruppe aus dem Senegal den traditionellen Tanz ihres Landes zeigte.

Raffinierte Beleuchtung verwandelte die Bühne in eine Steppenlandschaft im Licht des Sonnenuntergangs. Massai-Krieger mit Schildern und Speeren sammelten sich zu einem Jagdtanz, einer Beschwörung. Und schon kam langsam ein Elefant auf die Bühne täuschend echt vom Bühnenbildner Michael Curry (Oregon/USA) erbaut, bewegt im wiegenden Passgang der Dickhäuter von den beiden Kenianern Mabraka Mohammed Lugundi und Bernard Reuben Lungwa. Die bunten Tänzer neben dem grauen Koloss – das war ein eindrucksvolles Schlussbild der Show, ehe alle Artisten mit den Fahnen ihrer Heimatländer zum Finale auf die Bühne kamen. Die Tournee geht noch durch etliche deutsche und österreichische Städte und endet im Mai in Frankfurt.

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