Im Jazzrausch zum Auftakt

(Su C. Steiger, 17.01.2019 )

Für den diesjährigen BWM Welt Jazz Award gab nach zehn Jahren der Matinee-Veranstaltungsreihe eine Premiere: Erstmals eine Auftakt-Abendveranstaltung im BMW-Doppelkegel in München. Gelungen, wie ich meine, und wie das Publikum spüren ließ.

Doch der Reihe nach: Alljährlich im Frühjahr finden 6 Jazz-Matineen statt, bei denen von einer Jury sowie im Publikumsentscheid ein Presiträger für den jährlichen BMW Welt Jazz Award ermittelt wird. Sechs Vormittage mit unterschiedlichen Klangkünstlern, thematisch unter einem Motto dem jazzfreudigen Publikum versammelt, bereichert die Veranstaltung auch den BR-Musikkanal. Bereits im vergangen Jahr nahm ich die Gelegenheit wahr, neue Klänge und Musiker nebst Ensembles kennenzulernen, 2018 hieß es #Jazzmoves.

(C) Su C. Steiger Aproposmedia 

Damals wie heuer ging ich ohne große Vorbereitung zu den Veranstaltungen und habe es nicht bereut. Natürlich habe ich die gut aufbereiteten Informationen zu den Musikern vorab gelesen, und tatsächlich kannte ich eine Kombo bereits vorher. Doch in Stücke der anderen reingehört vorab habe ich trotzdem nicht. Die – für das Publikum kostenlosen – Konzerte wollte ich unvoreingenommen besuchen und nicht Vergleiche ziehen oder mit einer vorgefassten Meinung zuhören. Das hat sich ausgezahlt, denn so kam ich dazu, eine version von jazz zu hören, zu der ich von mir aus nicht gegangen wäre. Ob ich es wieder tun würde, weiß ich nicht, aber nur so konnte ich es überhaupt kennenlernen.

In diesem Jahr steht das Motto mit #SaxophoneWorlds schon mehr in meiner Aufmerksamkeit, hatte ich doch in jungen Jahren Gelegenheit, im heimatlichen Jazzclub unter anderem eine Größe am Instrument und im Jazz wie Barbara Dennerwein live und persönlich kennen zu lernen. Und ich blieb nicht unbeeindruckt. Das Instrument ist wie kam ein anders ein faszinierendes Soloinstrument, dem man den Jazz auch abnimmt, wenn es alleine gespielt wird. Nun also soll es in den kommenden Wochen sechs Interpreten geben, die das Instrument, begleitet von Bands und anderen großartig spielenden Musikern, jeder auf seine Weise einzigartig zum Klingen bringen wird.

Und nun der erste Abend, der erste Jazz-Abend im Rahmen der Award-Reihe überhaupt. An einem Donnerstag, etwas früh vielleicht, weil er um 19.00 Uhr pünktlich mit der Eröffnung durch BR-Moderatorin und Jazzkennerin Beate Sampson begann, war er etwas besonders. Nicht nur, weil er die Premiere war, sondern auch, weil er – der Bekanntheit in jüngeren Kreisen geschuldet – auch viel zum Senken des Altersdurchschnitts der Zuhörer beitrug. Die Jazzrausch Big Band (auf Instagram unter @jrbb_jazzrauschbigband) brachte sich viel eigenes Publikum mit – aber auch etliche, die gespannt waren, wie sich so eine Techno-Jazz-Big-Band-Musik anhören mag. Und alle wurden nicht enttäuscht.

Jutta Keess an der Tuba (C) Su C. Steiger Aproposmedia 

Tanzbare, rhythmusbetonte Stücke, mal mehr, mal weniger „bigbandig“, mal mehr, mal weniger groovig, füllten die Halle – gut zwei Stunden lang herrschte powervolle Stimmung auf und vor der Bühne. Denn ja, das Publikum groovte und dancte mit! Es war kaum zu verhindern, mitzuswingen oder – wie die Musiker selbst auf der Bühne – auch zu springen, so rauschhaft eingängig waren die Sounds.

Was der BMW Welt Young Artist Jazz Award 2017 Gewinner Roman Sladek mit seiner Big Band präsentierte, wäre es wert gewesen, beim Wettbewerb teilzunehmen. Doch darum ging es an den Abend nicht, an dem die Gruppe Stücke aus ihrem Programm „Dancing Wittgenstein “ spielte. Die Arrangements sind unter anderem von Leonhard Kuhn, vereinzelt Kompositionen des Bassisten Maximilian Hirning. beides Bandmitglieder wie rund 18 weitere Münchner Musikerinnen und Musiker. Unter ihnen die an der Tuba glänzende Jutta Keess , die mit dem Instrument ebenso bei Solis brillierte wie Roman Sladek himself. Überhaupt ist die Bigband sehr Frauengewaltig an den Blasinstrumenten, wie auf den wenigen Fotos, die ich machen konnte, (ich musste dann leider auch tanzen ) zu sehen ist.

Zweite Reihe – erstklassiger Sound! (C) Su C. Steiger Aproposmedia 

Für mich war dieser rauschende Einstieg in den diesjährigen Wettbewerb jedenfalls ein Grund mehr, allen die nächsten Termine ans Herz zu legen:

Münchner und Umland, nehmt die Gelegenheit wahr und kommt in den „Doppelkegel“ der BMW Welt, Sonntags, 11 bis 13:30 Uhr:

Mit diesen ersten zwei Gästen, dem Maciej Obara Quartet am 27. Januar und dem Céline Bonacina Crystal Quartet am 3. Februar geht es weiter.

Gefolgt am 17. Februar 2019 von Geraldine Laurent Quartet und noch ein weiterer februartermin steht mit Matthieu Bordenave Archipel auf dem Programm.

Zwei Termine im März, der 10. mit Maria Faust Machina und der 24. März bilden mit dem Rudresh Mahanthappa Quintet den Abschluss der Matinees, bevor dann am 04. Mai das Abschlusskonzert mit den zwei nominierten Finalisten stattfinden wird.

Die Musiker kommen in diesem Jahr aus Deutschland, Estland, Frankreich, Norwegen, Polen, Schweiz sowie Großbritannien und den USA.

Der Eintritt zu den Matineen ist frei, die Kapazität jedoch begrenzt. Der Einlass erfolgt ab 10:30 Uhr.


Programm

BMW Jazz Aaward 2019

Fotos: Aproposmedia