Ein Saal voller Kammermusik zweier grandioser Solistinnen

Sol Gabetta und Hélène Grimaud erstmals gemeinsam auf der Bühne

(Su Steiger, Augsburg) Ein grandioser Abend war es am 20.1.2017 in Frankfurts Alter Oper, mit zwei Solistinnen, beide Weltklasse, erstmals gemeinsam für Kammermusik auf der Bühne. Der große Saal war für gut zwei Stunden Wirkungsstätte von Sol Gabetta (Violoncello) und Hélène Grimaud (Klavier), die mit ihrer gemeinsamen Musik die Zuhörer mehr als nur unterhielten.

Wer schon einmal Sol Gabetta als Solistin erlebt hat, weiß, wie sehr sie und ihr Instrument verschmelzen und gemeinsam eine ganz eigene, impulsive und leidenschaftliche Interpretation der Stücke geben, die nicht unberührt lässt. Auch Hélène Grimaud verschmilzt mit ihrem Flügel; einzig so zart wie sie davor sitzt, klingt es längst nicht immer, wenn sie emotional, schwungvoll und alles gebend die Tasten anschlägt. Was also erwartete die Zuhörer beim ersten gemeinsamen Konzert? Überraschendes; harmonisches und trotz des Wissens um die unterschiedlichen Temperamente, die ebenso ausgeprägten oder zumindest ausgelebten Vorlieben für verschiedene Komponisten und musikalische Genres, eine wunderbar ebendiese Unterschiede anerkennende Auswahl von Stücken.

Das Konzert begann mit einer Art Annäherung, einem gegenseitigen Zuhören und Antworten. Wie ein gutes Einspielen vor dem eigentlichen Auftritt. Mit Bedacht gewählt, ließen die Musikerinnen bei der zeitgenössischen Komposition des Esten Arvo Pärt „Spiegel im Spiegel“ ihre Instrumente eher miteinander ins Gespräch kommen, als sich spiegelnde Dreiklänge und gegenläufige Tonleitern zuzuwerfen. Ein guter Auftakt, um das Publikum beim Zuhören auf das Wesentliche zu bringen. Es initiierte ein Sich-Einlassen auf den Abend, das Ausblenden des Alltäglichen und das Sich-Hingeben und Lauschen auf die Musik. Genug Zeit auch, um vielleicht da anzukommen, wo das Programmheft in der Auslegung der 1978 erstaufgeführten Komposition auf das Spiegelkabinett zurückgreift: die Besinnung auf sich selbst als durch die Konfrontation mit dem allgegenwärtigen Spiegelbild hervorgerufenes Resultat. Klanglich war es jedenfalls ein Heranführen und ausgewogenes Miteinander der beiden Instrumente – und Interpretinnen.

Der Wechsel zu Schumann ist auch ein akustischer – Tempi und Volumen ändern sich, mal dominiert das Cello, mal ist das Klavier in der Hauptrolle – immer sind es jedoch die Klangbilder, die aus der Symbiose der Musikerinnen mit dem Instrument entstehen. Sogar zart und leise schafft es Sol Gabetta, ihr virtuoses Spiel mit den Saiten nicht untergehen zu lassen, wenn Hélène Grimaud dem Klavier markante Klänge entlockt. Die 5 Stücke im Volkston treffen verschiedene Stimmungen und bereiten vor, was mit Claude Debussys Cellosonate dann die viel zu frühe Pause einläutet. Gerade hat sich das Ohr so richtig eingehört in die vielfältigen Wechsel und Soli der Cellosonate d-Moll, da müssen wir uns verabschieden (was immerhin den Bogen ein wenig entlastete, dem beim engagierten Spiel von Sol Gabetta das ein oder andere Haar riss).

(C) Ansgar Klostermann Pro Arte Frankfurt
(C) Ansgar Klostermann Pro Arte Frankfurt

So blieb andererseits Zeit, die Meinungen eines jungen Gastes einzuholen: „Wunderbar, besonders Hélène Grimaud. Auch, wenn ich am liebsten Chopin spiele – was sie macht ist toll.“ Der 9-Klässer wird demnächst mit einem Musik-Stipendium in die USA gehen und war, nachdem er bereits schon einmal Sol Gabetta gesprochen hatte nach einem Konzert, hin und weg von den beiden. Doch auch die älteren Generationen fanden nur lobende Worte:„Auch das gehauchte Cello war hervorragend – Gabetta spielt so dynamisch, da rückte das Klavier manchmal fast in eine Begleiterrolle!“

Hélène Grimaud sollte im zweiten Teil des Konzerts jedoch keinesfalls nachstehen, denn die Sonate für Violonchello und Klavier D-Dur (op. 78) – so steht es im Programmheft unter der Beschreibung des Stückes korrekt anhand der von Paul Schlegel bearbeiteten Fassung der Violin-Sonate, in der Programmübersicht mit Sonate 1 G-Dur betitelt – ließ ihr den Raum, das Klavier nicht bloß als Ausschmückung der Melodien hervorzuheben. Viel zu schnell war auch das vorbei und mündete in verdientem Zugabe-Applaus des Publikums.

(C) Ansgar Klostermann Pro Arte Frankfurt
(C) Ansgar Klostermann Pro Arte Frankfurt

Die Zugaben kamen – und zeigten erneut, welche Kraft und Ausdruckstärke in dem Spiel der beiden Künstlerinnen liegt. Gleich als erstes kam dann doch auch ein Chopin-Stück, was den jungen Zuhörer sicherlich erfreut haben wird, mit der Etude cis-Moll op.10 Nr.4 tanzten Grimauds Finger über die Klaviatur – Cello-Klänge ergänzten raffiniert und ausdrucksstark. Die nächsten zwei Zugaben rückte das Klavier ins Rampenlicht, was nicht nur am Komponisten lag: Manuel de Fallas Suite Popular Espanola lässt viel Raum dafür, auch, wenn das Cello durchaus tonangebend war. Einzig schwierig war es für das Publikum, die Ansage der Titel der Zugabestücke mitzubekommen, was der Akustik der Alten Oper geschuldet war. Das letzte Stück war ein Part aus der Sonate op.40 von Dmitri Schostakowitsch. Mit diesem schwungvollen, mitreißenden Stück und einem absoluter Hörgenuss beendeten die beiden den Kammermusikabend. Die Standing-Ovations waren der Dank für das Experiment, das die beiden Solistinnen gewagt und erfolgreich präsentiert haben. Gerne mehr davon.

Am 29.01.2017 ging die Tour in Baden-Baden zu Ende.

Quelle Text:

Autorin Su Steiger: «, http://aproposmedia.de/ 

Quelle Bilder:

(C) Ansgar Klostermann / PRO ARTE

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