Einen Herzschlag entfernt. – Buchveröffentlung von Tracie Frank Mayer

Köln. Marc, 12 Tage alt, lag auf dem Untersuchungstisch des Arztes, die Eltern standen voller Angst und Spannung daneben. Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens war geplant. „Seine drolligen Babylaute flatterten wie bunte Schmetterlinge durch den Raum“ erinnert sich seine Mutter Tracie Frank Mayer. „Dann und wann wackelte er mit seinen Beinchen und stieß sie kräftig in die Luft. Ich war verzaubert von diesem kleinen Wesen. Als ich ihn so vor mir liegen sah, überkam mich ein unbändiges Glücksgefühl.“ Dann die Worte des Professors wie ein Guss eiskalten Wassers: „Ihr Baby ist sehr krank, Sie müssen es hier in der Klinik lassen, wir untersuchen weiter.“ Schließlich am nächsten Tag die schlimmste Hiobsbotschaft: „Das Baby ist so krank, dass es jeden Moment sterben könnte. Es wurde in einem Zustand geboren, der unvereinbar ist mit der Natur. Es ist viel zu schlecht mit Sauerstoff versorgt, wird nicht wachsen und gedeihen können.“ Der kleine Marc hatte eine Fehlbildung, gewissermaßen ein „halbes Herz“ mit auf die Welt gebracht (Heterotaxie). Unausgesprochen standen die Worte im Raum: „Quälen Sie ihn nicht mit weiteren Eingriffen, die sinnlos sind. Lassen Sie ihn sterben!“ Dass Tracie Frank Mayer sich nicht damit abfinden wollte, macht die Spannung des Buches aus, das jetzt in der Kölner Eventlocation „Wolkenburg“ vorgestellt wurde. Sein Titel: „Einen Herzschlag entfernt – Die Geschichte einer Mutter, die für das Leben ihres Sohnes kämpfte“.

Das Publikum, das zahlreich den Saal füllte, konnte sich Tracie Frank Mayers berührender Geschichte über das Drama eines Kindes zwischen Leben und Tod nicht entziehen. Dabei hatte alles so romantisch und verzaubert begonnen. Tracie wuchs in einer großen, kreativen Familie auf. Ihr Onkel ist der berühmte Produzent Quincy Jones, der für Ray Charles und Ella Fitzgerald, für Frank Sinatra und Michael Jackson arbeitete und zur Legende wurde. Ihre Mutter war die erste farbige Schönheitskönigin von Tracie´s Heimatstadt Seattle, der Vater ebenfalls Bandleader und Drummer, später Geschäftsmann. Auf seinen Druck hin gab Tracie ihren Berufswunsch Journalistin auf, studierte Betriebswirtschaft und half dem Vater bei der Verwaltung seiner Immobilien. Dann bei einem Inselurlaub das Zusammentreffen der jungen Frau mit Helmut Mayer aus Köln, sonnengebräunt, gut aussehend – zu sagen „Es funkte“ ist völlig untertrieben, zwischen beiden schoss eine Stichflamme auf! Tracie folgte ihm nach Deutschland, nach einigen Ehemonaten wurde sie schwanger, Marc war unterwegs.

Sie muss eine Art Paradiesvogel gewesen sein. Der Arzt und Psychologe Dr. Alexander Gillor, einst behandelnder Arzt des kleinen Marc, dem Tracie in tiefer Dankbarkeit verbunden ist und der zur Buchvorstellung kam, beschreibt den ersten Kontakt so: „Die Mutter des Babys, Tracie, war eine sehr attraktive Afroamerikanerin, die in den schillerndsten Farben gekleidet war wie ein Popstar.“ Noch heute ist Tracie eine zierliche Frau mit großer Ausstrahlung. Sie schreibt Lyrik, Soul-, Gospel- und Rocktexte, ist Musikmanagerin, engagiert sich im „International Women´s Club of Cologne“, einer sozial tätigen Gruppe, sowie aufgrund ihrer eigenen schmerzlichen Erfahrungen mit der Erkrankung ihres Sohnes im „Ronald McDonald Haus und der Elterninitiative herzkranker Kinder“, Köln e.V. Mitglieder sprachen bei der Lesung ein Grußwort. Solche Selbsthilfevereinigungen sind wichtig. Immerhin ein Prozent aller Babys kommt mit Defekten des Herzens auf die Welt. Manche sind relativ harmlos, verwachsen sich, andere erfordern operative Korrekturen, aber es gibt auch solche dramatischen Fehlbildungen wie bei Marc.

Tracies soziales Engagement kommt aus ihren eigenen schmerzlichen Erfahrungen heraus. Denn von dem Sorgenkind von damals bis zu dem freundlichen jungen Mann, der Tracie zur Lesung begleitete  und seine Mutter gelegentlich liebevoll auf die Schippe nahm, war ein weiter Weg zu gehen. Niemand würde heute glauben, dass der 30-jährige Betriebswirt und leidenschaftliche Wassersportler einst ein Säugling war, den die Ärzte für „nicht überlebensfähig“ hielten.

Trotz aller niederschmetternden Voraussagen taten Tracie und ihr Ehemann Helmut alles, damit sich der kleine Junge wohlfühlen und gut entwickeln konnte. Immer wieder hatte er gesundheitliche Krisen, Schwellungen, Atembeschwerden, Lungenentzündung, Gedeih Störungen, dreimal mussten sich die Eltern für Operationen mit hohem Risiko entscheiden, die dann doch Erfolge brachten. Tracie´s Buch handelt auch von der dringenden Suche nach Verständnis, Unterstützung, Ermutigung. So ist es auch eine Geschichte von kühl routinierten Profis, die sie sozusagen seelisch verhungern ließen, und von herzlichen, den kranken Kindern und ihren Eltern zugewandten Ärzten und Schwestern – ein Buch, das sich auch für diese Berufsgruppen zu lesen lohnt.

Eine Botschaft gab Tracies Sohn Marc allen Zuhörern mit: „Wenn ich eins gelernt habe, dann das: gib niemals auf!“

 

Das Buch „Einen Herzschlag entfernt“ von Tracie Frnak Mayer ist im SCM Hänssler-Verlag erschienen, im Buchhandel erhältlich und hat die ISBN-Nummer 978-3-7751-5805-3

 

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