ELVIS – Das Musical – Ein unvergesslichee Abend in der Alten Oper!

 

(Frankfurt) Die Begegnung mit einem großen Sänger und einer dynamischen Musikepoche, eine Künstlerbiografie mit Herzschmerz und ein opulentes Klang- und Lichtspektakel brachte „Elvis – Das Musical“ einem großen Publikum in Frankfurts Alter Oper. „Viel mehr als nur Hüftschwung“: Die Hauptrolle war mit Grahame Patrick besetzt, der mit gutem Grund als bester Elvis-Imitator der Welt gilt. Echte Zeitzeugen, die über Jahre freundschaftlich mit dem „King“ zusammengearbeitet hatten, traten auf. So Ed Enoch mit seiner tiefen Bassstimme,  der als Lead-Sänger des Vorprogramms  Elvis in der Zeit seiner großen Shows während der 1970-er Jahre auf mehr als 1000 Konzerten begleitet hatte. Er sang mit den beiden Begleitbands des Abends, The Stamps Quartet und The Sweet Inspiration.

Die Zuschauer vollzogen Elvis´ Lebenslauf nach, teils live von Grahame Patrick gespielt und gesungen, teils in Original-Filmszenen auf der Leinwand. Hinreißend und ironisch die Szene von Elvis´ Senkrechtstart im Studio von Sun Records, Memphis/Tennesee. Der Chef ist schon gegangen, eine lustlose Sekretärin macht notgedrungen eine Aufnahme, ist von der Stimme des jungen Mannes im Blaumann hingerissen. Sie nimmt „Thats when your heartache begins“ auf und gibt keine Ruhe, bis der Chef sich um den jungen Mann kümmert: „Ich mach dich in der ganzen Welt bekannt!“ Das Frankfurter Publikum hörte Songs des jungen Presley im Rockabilly-Stil, den er damals verkörperte, einer eigenständigen Mischung aus dem Rhythm & Blues vieler afroamerikanischer Musiker und der „weißen“ Folk Music.

Grahame wusste schrittweise darzustellen, wie Elvis bei seinen ersten großen Auftritten in und um Memphis „seinen“ Stil mit den charakteristischen Hüftschwüngen und Beinbewegungen samt einer Prise erotische Provokation entwickelte, sich als damaliger Bürgerschreck den ironischen Beinamen „Elvis the pelvis“ verdiente. Vom „Prince of Rockabilly“ zum „King of Rock´n Roll“: Grahame sang Titel dieser Zeit, von „Heartbreak Hotel” bis “Jailhouse Rock”. Auch er verfügt wie das große Vorbild über einen beträchtlichen Stimmumfang, trifft den warmen ausdrucksstarken Baritonklang des „King“. Schließlich die Erinnerung an das legendäre Konzert 1973 auf Hawai – das Frankfurter Publikum kam beim „Wiederhören“ immer mehr in Ekstase!

Presleys Filme der 60-er Jahre sind eher leichte Musikkomödien, zählen nicht zu den großen, den unvergesslichen Hollywood-Titeln. Dennoch wurden „Can´t help falling in Love“ und „Love me tender“, hier mit vier Showgirls besetzt, zum bestverkauften Album zu Elvis´ Lebzeiten. Erinnert wird im Musical auch an die Ermordung Martin Luther Kings, den Elvis verehrte. Als der große schwarze Bürgerrechtler 1968 in Memphis, gar nicht weit von Elvis´ Wohnhaus, erschossen wurde, lies der Sänger Trauer und Entsetzen in das Lied „Tell me why“ einfließen. Ebenso wusste die Regie die Las Vegas-Phase des King effektvoll in Szene zu setzen. Als „Are you lonesome tonight“ erklang, war die Bühne in glitzerndes blaues Led-Licht getaucht – Show total war angesagt.

Das Musical zeigte die große Bandbreite des Sängers aus Memphis, der nach Hollywood-Jahren mit Lampenfieber auf die Bühne zurückkehrte. „“Flying again“ wurde hier als eindringliches Duett vom Patrick und Eva Maria Painter gesungen, Tumultbeifall kam. Elvis´ Gospel-Phase wurde ebenso dargestellt wie seine erfolgreichen Coverversionen ganz anderer Stilrichtungen, etwa „Bridge over troubled water“ von Simon & Garfunkel.

Dann eine dunkle, traurige Szenerie auf der Leinwand:  Elvis´ unerwarteter Tod, die Beerdigung unter Riesenbeteiligung seiner Fans. Nur gedämpft spielte die Band, verhalten waren vier Backgroundsänger zu hören. Es war einen Augenblick still im Publikum, ehe der Schlussbeifall aufbrauste und lang anhaltend drei Zugaben folgten. Ganz am Schluss ein liebenswürdiger Tribut an Hessen, an Elvis´ Militärzeit in Friedberg, sein Coverversion von „Muss i denn zum Städtele hinaus“. Oder vielleicht ein Wink an das begeisterte Publikum, dass nach einem Drei-Stunden-Auftritt auch die Bühnenkünstler Feierabend brauchen?

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