(c) Foto_Pierre-Futsch, Quelle: www.semmel.de
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«Su Steiger» Das erste Mal überhaupt, dass Hans Zimmer, DER Hans Zimmer, selber auf Tour geht – und dann auch noch das erste Mal zurück mit einem öffentlichen Auftritt in „seiner“ Stadt München, die er vor vielen Jahren gen Hollywood – nun ja, irgendwie ja schon – verlassen hat. Am 27.April 2016 war es soweit und er kam nicht mit allen aber mit phantastischen Ausschnitten seines rund drei Jahrzehnte umfassenden musikalischen Repertoires zurück nach Deutschland. Die 11.000 Plätze waren laut Kartenservice ausverkauft – dennoch startet das Konzert mit zehn Minuten Karrenz für die Reihen, die sich wohl aufgrund der Parkplatzsituation (und des nötigen Fußwegs samt Einlasskontrolle) noch etwas verspäteten. Mit dabei auf der Bühne: ein eher schmal besetztes klassisches Orchester und glänzende Solisten sowie eine hervorragend miteinander spielende Rock-Musikertruppe, jeder ein Virtuose und – das gehört dazu, wenn einer Filmmusiken interpretiert – kleiner oder großer Selbstdarsteller. Mitreißend waren sie alle. München war nicht die erste Station seiner Europatournee, aber sicher mit die emotionalste, wie es sich aus Berichten anderer Veranstaltungen herauslesen lässt.

Hans Zimmer ist, wie er selber in seiner mehr oder weniger komplett deutschen Moderation, mit der er durch den Abend führte, sagte, ein Klassik-Fan. Dennoch hatte das Publikum es am Anfang schwer, das herauszuhören. Nebelschwaden zwei Stunden vor Konzertbeginn zeugten von vorangegangenen Proben – doch irgendwie schienen diese am Tonmischer und Herrn über dem Lautsprecher-Steuerpult vorbei gegangen zu sein. Es war in aller erster Linie: laut. Krachend laut. Wie so manch einer auch – dank des vor Beginn häufig gezeigten Hashtags #HansZimmerlive – deutlich machte. Anscheinend war davon etwas angekommen, denn nach dem ersten Drittel wurde es besser. Nicht, dass das Konzert unhörbar war – dank des relativ weit vorne liegenden Sitzplatzes in der Arena der Olympiahalle hatte ich selber eine ausgesprochen gute Akustik (und Sicht) auf das Geschehen. Doch manche Harmonie und auch manche Stimmen des Chores waren eher zum erahnen als zu hören. Das minderte zwar – insbesondere bei Stücken, die sehr auf den Gegensatz des bombastisch pompösen Rockanteils (immerhin waren drei bestens ausgestattete Schlagzeuger auf der Bühne) setzenden Wechsel mit den Chorgesängen. Wären sie jedoch nicht da gewesen, hätte es sicher gefehlt. Der Chor war nicht aus den USA mitgereist sondern aus dem Osten Europas und füllte mit rund 30 Sängerinnen und Sängern auf der Empore den Raum. Gut inszeniert wirkte alles sehr mächtig, dann, wenn sie mit im Einsatz waren.

(c) Foto_Pierre-Futsch, Quelle: www.semmel.de
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München war nicht die Halbzeit seiner Tour, dennoch war es ein kleiner Abschied: eine der Solistinnen (Czarina Russell ((bin mir nicht sicher, glaube aber es war sie)) war an diesem Abend das letzte Mal mit auf der Bühne, bevor sie sich wieder auf die Heimreise zu ihrer noch jungen Familie begab . Hans Zimmer hatte es anders gemacht – er hat seine Tochter einfach mitgenommen. Nicht nur das: er präsentierte uns auch den König der Löwen, das Original mit ebenfalls mitgereistem Sänger Lebo M, dessen Entdeckungsgeschichte, damals in Südafrika, er uns auch erzählte. Und beide entführten das Publikum mit dem afrikanischen Rhythmus in eine andere Welt, die wilde Weite des Dschungels, zurück in Kindertage oder zumindest in die Zeit, in der jeder mit Kindern diesen Film gesehen haben mag. Überhaupt war Hans Zimmer nicht nur zum Musizieren da. Das tat er auch, wechselweise klassisch elektronisch aber auch an der Gitarre, kleine Soli mit seinem Band-Freund Gitarrist Guthrie Govan spielend.

Nicht alle Stücke klangen so, wie sie in den Studios abgemischt millionenfach in den Filmen den Zuschauer in Stimmung versetzen sollen – doch ganz ohne Zweifel hat Hans Zimmer der Komponist auch als Arrangeur und Mitmusiker eine Dramaturgie in den Abend gelegt, die das bunt gemischte Publikum bei Laune hielt. Wie es sich für Film-Musik gehört, gab es auch genug für die Augen zu tun, nicht nur wenn sich zu Interstellar – sicher einem weiteren Highlight des Abends – eine wahre Bilderflut über die enorme Hintergrundleinwand ausbreitete.

(c) Foto_Pierre-Futsch, Quelle: www.semmel.de
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War der Teil vor der Pause dem eher früheren Schaffen gewidmet mit Sherlock Holmes, Madagaskar und eben auch König der Löwen, nicht zu vergessen Pirate of the Caribean, so bot sich im zweiten Teil das volle voluminös-dramatisch-martialische Kino-Hörerlebnis. Besonders die düsteren Seiten kamen hier zum Tragen, nicht zuletzt auch mit Hans Zimmers Komposition zu Spiderman 2 und The Dark Knight. Nach zwei Stunden endlich das, was alle irgendwie erwartet hatten: der Abschluss mit weniger Pauken und Trompeten aber Drums&Bass und viel Wucht: Interstellar.

Die mit viel Beifall herbeigerufene Zugabe war nötig, eingeplant und letztlich in Ordnung, kam aber nicht an das vorher gezeigte heran – die Luft war raus. Schwierig, nach solch einem Stück noch zu überzeugen mit einer Dreingabe. So blieb es auch bei dieser, ein wenig enttäuschend für einige Fans. Die hatten allerdings im Laufe der Wochen noch Gelegenheit, andernorts ein zweites Mal dabei zu sein. Es lohnt sich.

Quelle Text:

Autorin: Su Steiger, http://aproposmedia.de/ 

Quelle Bilder:

© Foto_Pierre-Futsch, http://www.semmel.de/hans-zimmer-hans-zimmer-live-on-tour-pressematerial.html
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