Henning Wehland „Der Letzte an der Bar“ im ZOOM Frankfurt (26.10.2017)

(Frankfurt) Ein schwarzer Tourbus parkte vor dem Frankfurter Zoom Club. Angesagt war „Der letzte an der Bar“ mit Henning Wehland, aus gutem Grund mit dem Untertitel  „Crossover 4.0“. Im Programm gab es Rockiges, Balladen, HipHop. Der Vollblutmusiker, schon als 19-jähriger aktiv in der Pop-Rock-Szene, ist inzwischen Singer-Songwriter und Manager („The BossHoss“). Zusammen mit dem Gitarristen Jan Löchel ist er als Duo „Les Sauvignons“ zu hören und tritt in prominenten Bands, den „HBlockx“, den „Söhnen Mannheims“ auf. Ebenso ist er Coach bei TV-Casting-Shows wie „The Voice Kids“. Offensichtlich sitzen auch in Rhein-Main viele Wehland-Freunde, der Saal des Zoom Clubs war gut gefüllt, manche kamen gleich in schwarzen T-Shirts mit „Der letzte an der Bar“-Aufschrift. Teenie-Musik gab es nicht, wahrscheinlich sind schon die Texte zu nachdenklich, zu wetterhart. Wehlands Fanclub schien bei den Mittzwanzigern zu beginnen, ging dann hoch bis zu den „jungen Alten“. Viele freundschaftliche Männerrunden fielen auf, wahrscheinlich trifft Wehlands Themenspektrum, die Songs vom Standhalten, vom Sich nichtunterkriegen-Lassen, von guten Kumpeln, die sich an der Theke ordentlich was geben, das Feeling dieser Zielgruppe. Ganz bewusst hat er seinem ersten Solo-Album mit 15 Liedern den Titel „Der letzte an der Bar“ gegeben, diese sei „einer der wenigen Orte, wo sich Menschen aus jeder Gesellschaftsschicht auf Augenhöhe und ungewöhnlich ehrlich begegnen“.

Stimmung zu machen verstand auch die Vorgruppe, die in Rhein-Main bekannte Band „Gastone“, die mit E-Piano und Akustikgitarre Kuschelrock brachte, Pop-Songs mit mediterraner Sangesfreude verban. Mit einer melancholischen Ballade wurden Gefühle geweckt: „Du wirst immer bei uns sein“ ist das Abschiedslied der Freunde an einen Schwerkranken, der in den Freitod ging.

Dann Jubel: Henning Wehland betrat die Bühne, brachte die Rapper, Backgroundsänger und Beatbox-Meister Rocko und Easy mit („Hab sie in Kassel aufgesammelt“) und legte los. „Ein´ für die Liebe, ein für die Show, ein´ für den Weltfrieden und ein´ einfach so“ – Wehlands raue Männerstimme ist ohrenschmeichelnd, der Rhythmus geht unter die Haut, die Texte sind eingängig. Da ist das Lied vom alten Mann, der mit den Taschen voller Leergut durch die Straßen läuft: „Er war mal was, er war mal wer…“ und doch ist er für Wehland ein Gladiator, einer, der aufrecht geht. Oder Songs wie „Panzer“ („Ich kämpfe mit Gefühl“), wie „Es ist so weit, jetzt ist die Zeit“ und dem eruptiven Schluss „Ich bin frei“. Längst sang das Publikum die Refrains mit, ebenso wie die Musik wirkte die Persönlichkeit des Sängers, sein lockeres, unkompliziertes Auftreten, wie er sich eben mal an der Stage-Bar bediente, auf der Theke tanzte, ein Bad in der Menge nahm. Unnachahmlich war die  Art, wie er das Konzert in einen „Abend unter Freunden“ verwandelte.

Ganz offen sprach er die Kontroversen um Xavier Naidoo an: „Viele Dinge werden falsch interpretiert. Es kommt vor, dass Leute spontan ´ne Meinung rausschießen, dann folgt ein Shitstorm in den sozialen Medien, dann sind sie sofort `Reichsbürger´, `Rechtsradikale´.“ Ganz klar bekannte Wehland: „Ich hasse Pegida, ich hasse die AfD, ich hasse, was rechts von der Mitte ist. Aber das letzte was ich machen werde, ist, meinen Freunden in den Rücken zu fallen. Ich bin stolz, Mitglied der `Söhnen Mannheims´ zu sein, egal, was passiert.“ Wehland wehrte sich gegen „Etikettenkleben“, gegen schnelles Verurteilen. Wichtig war ihm dagegen: „Wir müssen aufpassen, dass der Graben in unserer Gesellschaft nicht noch größer wird. Jeder hat hier die Chance, etwas zu verändern, jeden Tag. Diese Songs sind meine Art, etwas zu verändern. Wir stehen erst am Anfang vom Ende der Welt.“ Wehlands Freund Jan Löchel begleitete einen Song mit hinreißenden Passagen auf seiner Akustikgitarre, den ganz neuen Titel „Mitternacht“ – vielleicht Stoff für das nächste Album? Dann kam der song  „Mein Herz sagt, es ist der beste Beat der Welt“, das Publikum sang in diesem Pulsrhythmus mit Henning den Refrain und ließ ihn nicht ohne Zugabe von der Bühne.

Es gibt noch Tickets für die letzten Konzerte!

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