Start-Up Interview: Andrea Funk (CEO DECIDER Urban Apple)

Mit neuen Ideen und viel Engagement machen Start-Up-Gründer auf sich aufmerksam. So auch Andrea Funk von DECIDER aus Tauberfeld, die ich auf der diesjährigen Brass Wiesn 2017 kennen lernen durfte. Man ist ja offen für Neues und so entdeckte ich den Stand von DECIDER und probierte mich durch die angebotenen Sorten Golden Gatsby, Pretty Pandora und Lazy Lola. Allesamt sehr lecker und als Hesse ist man mit dem gekelterten Apfelwein sehr verbunden, aber dieser Cider liegt geschmacklich irgendwo zwischen dem französischen Cidre und dem säuerlichen Äppelwoi.

Decider GbR, Photo Credit: (c) Melanie Arzenheimer
Decider GbR, Photo Credit: (c) Melanie Arzenheimer

MZ» Wie kommt man eigentlich auf die Idee, die Getränkewelt erneut mit etwas neuem auf den Kopf zu stellen bzw. den großen Goliaths am Markt die Stirn zu bieten. Andrea hat sich bereit erklärt diese Fragen für Mittelpunkt-Zeitung zu beantworten.

Andrea» Ja, wie kommt frau darauf? Ich sage immer, das war wohl eine gute Schnapsidee.

MZ» Andrea, wir haben uns ja auf der diesjährigen Brass Wiesn an eurem Stand kennen gelernt. Wie hast du es geschafft, dein Produkt dort zu platzieren?

Andrea» Auf der Brass Wiesn waren wir mit dem DECIDER dieses Jahr bereits zum dritten Mal in Folge. 2015 hatte ich dort einfach bei den Veranstaltern nachgefragt, ob sie Lust auf ein neues Getränk hätten, das perfekt zum Flair des Festivals passt. Ich denke, der DECIDER hat letztendlich durch seinen Geschmack überzeugt.

MZ» Wann entstand bei dir der Wunsch, ein eigenes Getränk zu kreieren und es in Deutschland in den Markt zu bringen?

Andrea» 2010 studierte ich für ein Jahr in England. Dort trank ich meinen ersten Cider und entwickelte eine richtige Leidenschaft für dieses Getränk. Zurück in Deutschland fehlte mir mein Favorit auf den meisten Getränkekarten. Also beschloss ich kurzerhand meinen eigenen Cider zu kreieren – und zwar einen nach deutschem Geschmack.

MZ» Erzähl uns etwas mehr aus deinen Anfängen? So ein gekeltertes Getränk entsteht ja nicht mal eben so.

Andrea» Am Anfang war alles Learning-by-Doing. Ursprünglich bin ich eine Sinologin, das hat ja mit Alkohol nur bedingt zu tun. Aber während meines Studiums habe ich immer wieder für eine Brauerei gearbeitet. Darüber habe ich mein erstes Wissen über die Getränkeindustrie erlangt. Schließlich habe ich mich auf die Suche nach einer Kelterei gemacht, die bereit war, mit mir zusammen eine eigene Rezeptur für den DECIDER zu kreieren.

MZ» Wie lange hat es gedauert, von der Idee, sich seinen Traum vom eigenen Getränk zu erfüllen bis zum ersten verkaufbaren Produkt?

Decider GbR, Photo Credit: (c) Melanie Arzenheimer
Decider GbR, Photo Credit: (c) Melanie Arzenheimer

Andrea» Die Idee entstand 2011, die ersten Flaschen gingen im Frühjahr 2014 in die Produktion. Dazwischen lag viel Mixen, Ausprobieren, Testen, Verwerfen und Neu-Kreieren.

MZ» Wie war der Prozess der Gründung? Immerhin geht es um ein Produkt in einem schwierigen Markt, bei dem es viele Vorschriften, Regeln und Gesetze zu beachten gilt. Was waren eure größten Hürden?

Andrea» Gut für mich war die Begleitung durch wertvolle Mentoren aus der Getränkebranche, die mich auf die Spielregeln hingewiesen haben. Darüber hinaus informierte ich mich über die IHK, bei Steuerberatern und ähnlichen Institutionen. Die Gründung an sich ist aber kein Hexenwerk, sowohl was die GbR als auch eine UG betrifft.

MZ» Im Prozess einer Startup Gründung startet man sinnvoller Weise mit Kundenbefragungen. Wie schnell konntest du erste Kunden von deinem „Geschmack“ bzw. deinem Produkt überzeugen.

Andrea» Meine ersten Versuchskaninchen waren meine Familie, und das sind die kritischsten Kunden überhaupt J Sobald ich meine Family & Friends von der Rezeptur überzeugt hatte, ging ich an den tatsächlichen Markt. Events wie die Brass Wiesn sind für uns hervorragend, um direktes Kundenfeedback zu bekommen. So war für mich diese Jahr zum Beispiel spannend, wie den Festival-Besuchern unsere zwei neuen Sorten, Lazy Lola (Birne) und Pretty Pandora (Kirsche), schmeckt. Die Resonanz war überwältigend.

MZ» Wie schnell konntest du deine persönliche Annahme, dass ausgerechnet dein Getränk am deutschen Markt fehlt, bestätigen bzw. erkennen, dass es einen Markt dafür gibt? Wie bist du da vorgegangen?

Andrea» Das war ein absolutes Bauchgefühl. Ehrlich gesagt, hatte mir im Vorfeld der Gründung so gut wie jeder davon abgeraten, mich in das Haifischbecken der Getränkeindustrie zu wagen. Ich denke, es war gut, dass ich bis dato Industrie-Neuling war und somit unvoreingenommen mein Unternehmen starten konnte. Mit meiner Vision vor Augen (also den Deutschen Cider zu etablieren) bin ich step-by-step vorangeschritten. 2014, als wir begonnen haben, konnte man die deutschen Cidermarken an einer Hand abzählen. Heute gibt es etliche neue Marken, was ich gut finde — denn so wird Cider mehr Menschen ein Begriff.

Decider GbR, Photo Credit: (c) Melanie Arzenheimer
Decider GbR, Photo Credit: (c) Melanie Arzenheimer

MZ» Erkennt man, dass es einen Bedarf/Markt gibt, erstellt/erzeugt man einen möglichst schnellen Prototypen. Wie lange hast du für deinen Prototypen gebraucht?

Andrea» Die Auswahl der richtigen Kelterei beanspruchte Zeit. Sobald wird diese Hürde geschafft hatten, stand die Rezeptur für unseren Golden Gatsby (Apfel-DECIDER) relativ schnell. Bald darauf gingen wir in den Markt. Auf Basis des Kunden-Feedbacks entwickelten wir unser Kernprodukt weiter. Grundsätzlich bin ich ein Fan davon, einen schnellen Prototyp zu erstellen, diesen dann am Markt zu testen, um danach dann nach zu justieren. Damit sind zumindest wir bisher gut gefahren.

MZ» Nach den Prototypen kommt das Business Modell. Orientiert man sich bei einem Business Modell für ein Kultgetränk beispielsweise an Modellen bekannter Marken wie Red Bull oder z.B. Bembel witch care?

Andrea» Natürlich ist es gut zu wissen, welche Strategien und Business Models die Mitbewerber verfolgen. Aber noch wichtiger ist es meiner Meinung nach, sich auf sich selbst zu konzentrieren und das Modell zu finden, das zu einem selbst (den Gründern) und dem Produkt passt.

MZ» Dein Business Modell sieht vor, dass du 10% der Unternehmensgewinne in soziale Projekt investierst. Was ist deine Motivation dahinter?

Andrea» Ich bin der Meinung, dass Unternehmen eine gesellschaftliche Verantwortung haben, und zwar von Beginn an – nicht erst, wenn sie große Gewinne einstreichen.

MZ» Würdest du sagen, dass ihr die Gründungsphase überstanden habt?

Andrea» Ich sehe DECIDER nach wie vor als Startup. Für mich persönlich war 2017 ein entscheidendes Jahr. Ende des Jahres wollte ich entscheiden, das Unternehmen entweder zu begraben oder aber weiterzumachen. Nun kann ich im August bereits sagen, dass ich mit der Entwicklung zufrieden bin und es DECIDER weiterhin geben wird!

MZ» Was sind eure nächsten Ziele? Gibt es eher neue Produkte oder steht der Ausbau des Vertriebs im Vordergrund?

Andrea» Neue Produkte habe ich bereits viele im Kopf J Vordergründig steht nun aber erst der Ausbau des Vertriebs im Mittelpunkt. Die Wintersaison steht vor der Tür und wir möchten auch unsere DECIDER Winterprodukte stärker platzieren.

MZ» Gerne kannst du jetzt an dieser Stelle ein Statement zu deinem Produkt und deiner Firma abgeben:

Andrea» DECIDER ist nicht einfach nur ein neues Getränk, es ist eine Lebensphilosophie: Be A Decider. Entdecke den Entscheider in Dir.
Wir planen derzeit in DECIDER-Programm, das in Kürze live gehen wird. Damit möchten wir alle ansprechen, die sich noch (!) nicht als Decider fühlen. Ich bin überzeugt davon, dass man seinem Herzen folgen soll, um ein erfülltes Leben zu führen. Bei mir hat das eine Weile gedauert, bis ich das begriffen habe. Doch heute kann ich sagen, dass das, womit ich den Großteil meiner Zeit verbringe, mich vollends erfüllt. Und diese Erfahrung möchte ich gerne teilen.

Decider GbR, Photo Credit: (c) Melanie Arzenheimer
Decider GbR, Photo Credit: (c) Melanie Arzenheimer

Wer den DECIDER gerne probieren möchte, findet hier weitere Informationen: http://www.decider.de

 

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