“Sister Act“-Darstellerin Amani Robinson im Interview

Amani Robinson hat Bühnen- und Konzertgesang (Diplom) sowie Operngesang an der Musikhochschule Lübeck bei Prof. Ute Niss, Prof. Ute von Garczynski und Kammersängerin Heike Wittlieb studiert. Als Musical Darstellerin übernahm sie die Hauptrolle der Anna Margareta bei der Uraufführung des gleichnamigen Musicals unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Horst Köhler an der Musik Hochschule Lübeck. An der Kieler Oper war sie als Consuelo in Leonard Bernsteins WEST SIDE STORY zu sehen. Sie gastierte am Nordharzer Städtebundtheater als Dorothy in dem Familienmusical DER ZAUBERER VON OZ, am Staatstheater Darmstadt als Emeretta in dem Musical HAIR und als Kiki in FLASHDANCE. In Braunschweig war sie in dem Musical HAIR und als Sarah’s Friend/ Harlem Ensemble in RAGTIME zu sehen. Seit Anfang Februar 2017 spielt sie in SISTER ACT u.a. die Hauptrolle Deloris van Cartier und Mary Felicitas Isabella.

(c) Christoph Classen
(c) Christoph Classen

Fragerunde:

MZ: Bevor wir mit dem Interview beginnen, gratuliere ich Dir ganz herzlich zu Deinem Engagement bei SISTER ACT. Seit dem 14.2.2017 bist Du dort als Zweitbesetzung Deloris van Cartier bzw. Mary Felicitas Isabella zu sehen.
Amani: Vielen herzlichen Dank!

MZ: Worauf freust du Dich bei diesem Engagement ganz besonders?
Amani: Diese Show ist einfach großartig! Ein absolutes Gute-Laune-Stück! Und die Partie der „Deloris van Cartier“ ist mit die größte Rolle, die es für dunkelhäutige Frauen in der Musical-Branche gibt. Dazu ist es auch noch eine Rolle, die innerhalb des Stückes eine große Wandlung durchläuft; von einer Discosängerin die in billigen Kneipen auftritt und nur mit sich selbst beschäftigt ist hin zu einer Vertrauten von Nonnen, die Verantwortung übernimmt und über ihren eigenen Tellerrand schaut. Als Darstellerin ist eine Partie, in der man so viel zeigen kann natürlich ein Geschenk!

MZ: Beschreibe kurz das Gefühl, als Du erfahren hast, dass du diese Rollen spielen wirst?
Amani: Ich habe mich natürlich riesig gefreut!!!

MZ: Wann entstand bei dir der Wunsch Musical Darstellerin zu werden?
Amani: Ich wollte in erster Linie Sängerin werden, der Rest hat sich einfach so ergeben. Das Leben geht halt nicht einen geraden Weg, sondern macht manchmal überraschende Umwege… 😉

MZ: Neben den Musical Engagement hast du bereits bei Festpielen auch in klassischen Werken wie EINE NACHT IN VENEDIG oder DER BARBIER VON SEVILLA mit gewirkt. Welches Genre liegt dir mehr, bzw. spielst du lieber?
Amani: Ich fühle mich in beiden Genres zuhause. Für mich ist es einfach wichtig, dass ich auf professioneller Ebene singen kann. Dass ich mich sowohl in klassischen als auch in modernen Opern, Passionen in Konzertform, Galas und eben Musicals austoben kann ist großartig und dafür bin ich sehr glücklich und dankbar.

MZ: Wie bereitest du dich vor, wenn du zu einem Casting für ein Musical, beispielsweise SISTER ACT, eingeladen wirst?
Amani: Für große Produktionen bekommt man im Vorfeld Material zugeschickt, das man durcharbeiten, üben und dementsprechend vortragen muss. Bei kleineren Produktionen ist die Ansage meist, dass man Songs im Stile der Show mitbringen soll. Je nachdem für welche Partie ich vorsinge, stelle ich mich auf die jeweilige Rolle ein und stelle in der Audition meine ganz eigene Interpretation vor.

MZ: Gibt es für dich auch so etwas wie ein Einsingritual am Ort deines Auftritts oder wie bereitest du dich persönlich am Tag/abend auf deinen Auftritt vor?
Amani: Naja, vor einer Vorstellung versucht man natürlich genug zu schlafen, ausgeruht zu sein, damit man auf der Bühne alles geben kann. Das ist natürlich nicht immer möglich, aber Adrenalin und die Lust und der Spaß auf der Bühne zu stehen gibt einem meistens den Push auch an einem schlechten Tag eine gute Show abzuliefern.
Ansonsten macht man sich vor jedem Auftritt warm mit Körperübungen und einem Einsingen. Das gehört dazu. Ein Sportler sprintet auch nicht einfach unaufgewärmt los. Ein festes ‘Ritual’ verfolge ich hierbei nicht.

MZ: War die Musik bereits Bestandteil im Leben deiner Eltern? Oder woher kam die Liebe zu diesem Genre?
Amani: In meinem Elternhaus wurde viel Musik gehört und gemacht. Ich bin mit deutschem Volkslied, Jazz und Reggae aufgewachsen. Klassische Musik natürlich in Form von Zauberflöte und viel Programmmusik wie Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“, Camille Saint-Saens „Karneval der Tiere“, etc. allerdings eher am Rande. Oper kam durch Zufall hinzu: ich bin auf dem Land aufgewachsen und die nächste Gesangslehrerin hat klassischen Unterricht erteilt.

MZ: Wann hast du deine Stimme entdeckt und wie war dein Werdegang als Kind/Jugendliche bevor du dein Studium begonnen hast?
Amani: Ich habe mit 6 Jahren angefangen Klavier zu spielen und mich mit vielen Instrumenten, wie Schlagzeug und Trompete beschäftigt. Das Singen hat mich am meisten fasziniert und begeistert. Mit 11 Jahren hatte ich den ersten Gesangsunterricht und in irgendeinem Poesiealbum von damals steht schon, dass ich Sängerin werden will. In der Oberstufe habe ich mich dann genauer damit auseinandergesetzt, was ich nach dem Abitur machen will und da war dann sehr schnell klar, dass ich mit Musik meinen Lebensunterhalt verdienen will. Mehrere „Jugend musiziert“-Wettbewerbe haben gezeigt, dass ich in der Branche nicht ganz falsch bin und nach der Aufnahme an der Musikhochschule Lübeck nahm das Ganze seinen Lauf.

MZ: War für dich von Beginn an klar, dass du Berufsmusikerin werden möchtest?
Amani: Ja. Sehr klar sogar. Meine Mutter hätte mich gerne als Schulmusikerin gesehen, da sie die Sicherheit einen festen Job zu haben für mich bevorzugt hätte, aber ich wollte immer auf volles Risiko Berufs-Sängerin werden.

MZ: Wie alt warst du, als du mit deiner Familie nach Deutschland gekommen bist und wo habt ihr euch damals niedergelassen?
Amani: Ich bin gebürtige Westfälin, meine Mutter ist Deutsche, mein Vater aus Barbados. Meine Eltern leben nach wie vor in dem Heimatort meiner Mutter im Erzbistum Paderborn.

MZ: Du hast Operngesang an der Musikhochschule Lübeck bei Prof. Ute Niss, Prof. Ute von Garczynski und Kammersängerin Heike Wittlieb studiert.
Was war das Besondere an ihren Lehren bzw. Lehrmethoden?
Amani: Das würde dieses Interview sprengen! 😀 Singen ist auf eine Art und Weise sehr intim, da man – wenn man Menschen berühren will mit seinem Gesang – sich öffnen muss und Emotionen von sich preisgeben muss. Im Studium lernt man im Besten Fall damit umzugehen und natürlich die Stimmtechnik um das jeden Tag umzusetzen. Frau Prof. von Garczynski war besonders prägend für mich.

MZ: Wie lange hast du insgesamt studiert?
Amani: An einer Hochschule: sieben Jahre. Aber auch davor und auch jetzt noch nahm und nehme ich gelegentlich Unterricht um mich immer wieder zu korrigieren.

MZ: Welche Musiker/Lehrer haben dich während deines Studiums bzw. bei deinen weiteren Lehrern stilistisch am meisten geprägt bzw. besonders inspiriert?
Amani: Meine 2. Gesangslehrerin Gundula Hense war wegbereitend für mich. Frau Prof. Gaczynski hat mir beigebracht, dass alle Stimmtechnik nichts hilft, wenn man die Lust am Singen verliert und Kammersängerin Heike Wittlieb, dass man weitersingen muss, auch wenn die Welt untergeht.

MZ: Welche Rolle wäre deine persönliche Traumrolle?
Amani: Oh, da gibt es einige. Ich würde z.B. gerne mal Maria oder Anita in der „West Side Story“ singen. Ich liebe Bernsteins Musik.

MZ: In jeder Branche, in jedem Metier gibt es Vorbilder. Gibt es für dich, was deinen persönlichen musikalischen Weg anbetrifft, auch so etwas wie ein besonderes Vorbild?
Amani: Kein spezifisches. Ich sehe viele Künstler, Kollegen und Freunde die ich mir zum Vorbild nehme.

MZ: Du kennst den Spruch: „man muss für die Karriere manchmal zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein“.
Gab es für dich einen solchen Moment und wenn ja, verrätst du uns diesen Moment?
Amani: Es gab unzählige dieser Momente! Ein besonderer Moment war für mich der Umzug von Berlin nach Hessen; mein Auto hatte einen Defekt sodass ich spontan bei einem Freund zum Barbecue aufgekreuzt bin. Bei ihm habe ich hierbei nur durch Zufall durch einen weiteren Gast von der Suche des Staatstheaters Darmstadt nach einer dunkelhäutigen Darstellerin für das Musical „Hair“ gehört. Das passte wie die Faust aufs Auge – sowohl für das Staatstheater als auch für mich.


 

MZ: Planst du neben deinen Musical Engagements auch eigene CD Projekte? Wenn ja, was dürfen deine Fans von dir erwarten?
Amani: CD-Projekte plane ich z.Z. nicht. Ich liebe es im Theater auf der Bühne zu stehen und zur Zeit habe ich hieran genug Freude, als dass ich an der Stelle erst einmal weitermachen möchte. Aber mein Solo-Projekt „SWITCH- sei wie du bist, egal wie viele“ piekst mich immer mal wieder im Hinterkopf und möchte gespielt werden. Sobald ich den Kopf wieder dafür frei habe, werde ich das wieder voran bringen und erneut auf die Bühne bringen.

MZ: Würdest du gerne mit anderen Musikern ein eues Projekt starten wollen, wenn ja, was wären deine Vorstellungen?
Amani: Wie gesagt: „SWITCH-sei wie du bist, egal wie viele“ möchte mal wieder auf die Bühne… Ich arbeite gerne mit anderen Künstlern zusammen, vor allem wenn es eine Ergänzung darstellt. Switch habe ich z.B. zusammen mit einem Tänzer erarbeitet (Christopher Basile), wir hatten jede Menge Spass dabei.

MZ: Gibt es noch neben dem Thema Musical etwas in Deinem Leben, was Du erreichen möchtest?
Amani: Ich würde wirklich gerne mal etwas für Film oder Fernsehen drehen! Die Schauspielerei hat mich schon im Studium gereizt, da würde ich mich sehr gerne noch weiter ausprobieren.

(c) Christoph Classen
(c) Christoph Classen

Noch ein paar Fragen zu „Amani ganz privat“:

MZ: Was waren deine Stärken in der Schule und welches Fach mochtest du so garnicht?
Amani: Musik, Deutsch, Geschichte: top. Mathe und Physik: Igitt!!!

MZ: Wie gestaltest Du am liebsten Deine Freizeit, wenn du wie jetzt z.B. in Berlin gastierst und die Famile nicht in der Nähe ist?
Ich lese wahnsinnig gerne, gehe gerne ins Kino, jogge und ich esse unheimlich gerne und freue mich über die kulinarische Vielfalt in Berlin.

MZ: Was ist dein Lieblingsessen und trinkst du selber lieber Sekt oder Selters?
Amani: Ich liebe Gemüse! Und Lakritz! Bei Getränken greife ich im Normalfall zum Wasser, allerdings sage ich zu einem guten Rotwein nicht nein.

MZ: Bleibt dir noch Zeit für einen Lieblingssport, wenn ja welcher?
Amani: Viel Zeit habe ich nicht, aber ich versuche mich mit joggen fit zu halten und wenn ich schaffe gehe ich zum Tanzen.
Vielen Dank für das Interview, wir sehen uns am 05.März 2017 zur Premiere von SISTER ACT in Niedernhausen bei Frankfurt.

Weitere Informationen

Webseite Amani Robinson: http://amanirobinson.de/
YouTube: https://youtu.be/L7u-vDIUT6k
Facebook: https://www.facebook.com/robinson.amani
Instagram: https://www.instagram.com/ama_naynay/

Wer Amani Robinson live erleben möchte hat in Niedernhausen zur Zeit in Niedernhausen die Gelegenheit. SISTER ACT

Quellennachweis

Titel-Foto: OmegAlliance Entertainment Ltd,  

Alle anderen Bilder: (c) Christoph Claßen

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