Interview: Caroline Adomeit – die mit der Geige tanzt

MZ: Fast schon zur Tradition geworden, spielst du am Ostersonntag (27.03.2016, 17 Uhr) in der Burgkirche in Ingelheim. Erzähl uns doch ein wenig zu deinem Programm.

Caroline»» Es ist tatsächlich schon eine Tradition für mich am Ostersonntag in Ingelheim ein Konzert zu spielen. Es wird abwechslungsreich: von Renaissance Arrangement, Bach, über ungarische, spanische und irischeTänze, aber auch Tangos und sogar eine Rock-Überraschung, haben wir mehr als 400 Jahre Musikgeschichte im Programm. Dazu kommen noch weitere spontane musikalische Überraschungen, da ich mich je nach Atmosphäre im Publikum, auch spontan für passende Stücke entscheide, was für mich und meine Partner immer sehr spannend ist…;)

MZ: In der Presse wird immer wieder deine immense Bandbreite von Renaissance bis Pop, und gleichzeitig die Stilsicherheit, mit der du die verschiedenen Werke interpretierst, gepriesen. Wie kommt es zu dieser enormen Vielseitigkeit?

Caroline»» Musik ist für mich all-umfassend und ich denke, dass gute Musik keine Grenzen kennt. Musik berührt so unmittelbar, dass Sprache überflüssig wird… Gerade die verschiedenen Stile, die ich spiele, machen mir jedes Mal bewusst, wie wunderschön das ist, was ich mache. Auf der Bühne zu spielen, ist meine Möglichkeit mein Innerstes mitzuteilen. Mit den verschiedenen Musikrichtungen gibt es für mich so viele Möglichkeiten, das zu tun: z.B. kann ich auch mal „aufschreien“ in Bartok (Solosonate), singen in Mozart, sehnsüchtig in Brahms fühlen, flirten in einem Tango usw. Die Unterschiede sind ja gerade das Schöne daran.

Quelle: Foto (c) Birgit Kastler, Foto Besier
Quelle: Foto (c) Birgit Kastler, Foto Besier

MZ: Hast du noch weitere Ideen mit anderen Künstlern zu kollaborieren und neue Projekte ins Leben zu rufen?

Caroline»» Ja, auf jeden Fall. Zu viele, um alle zu nennen, als Beispiel: Da ich ja auch in vielen meiner Konzerte moderiere, manchmal sogar tanze, würde ich mir vorstellen können, das noch weiter auszubauen, als eigenständiges Programm, auch mit Comedians.

MZ: Deine Fans fragen ja immer nach deinem Instrument. Ich weiß, dass es eine extra für dich gebaute Geige ist, aber erzähle uns doch, wie es zu dieser Geige gekommen ist.

Caroline»» Ich habe einen Meisterkurs in Lugano im Sommer besucht und ganz in der Nähe (Varese, Nord-Italien) lebt und arbeitet der Geigenbauer Domenico Fantin. Da ich eine Fantin-Geige in einem Konzert gehört hatte und begeistert war von dem Klang besuchten wir ihn damals. Er hatte Geigen zur Auswahl, bat mir aber an, eine für mich zu bauen. So kam es zu meiner heutigen Geige. Yehudi Menuhin selbst kaufte auch eine Fantin-Geige, und Ruggiero Ricci spielte auf einer CD (mit einigen besten modernen Geigen) auch eine Violine von D. Fantin. Link: Webseite Domenico Fantin

MZ: Was hat die Musik zu Beginn deiner Karriere bewirkt und wie fühlt sich die Musik heute für dich an?

Caroline»» Da ich in einer Musikerfamilie aufgewachsen bin, war Musik von Anfang an immer da. Sogar als ich noch gar nicht auf der Welt war, hat meine Mutter noch hochschwanger Vorstellungen der «Zauberflöte» gespielt…ich wollte schon sehr früh Geige lernen, meine Eltern haben mich jedoch zuerst gebremst, denn sie wussten genau, wie hart der Musikerberuf ist und was für ein schweres Instrument dazu Geige ist. Aber ich war schon immer sehr stur und habe mich durchgesetzt. Von da an stand es für mich fest, Geigerin zu werden und es ist bis heute so geblieben. Ich kann mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen, und bin dankbar, meiner Berufung nachgehen zu dürfen. Mit nur vier Saiten in direktem Kontakt zum Publikum ohne Worte eine Verbindung zu schaffen und mit meinem Spiel die Menschen zu berühren. Im Konzert spontan die Atmosphäre zu erspüren, die jedes Mal anders ist, gibt mir immer wieder Sinn und große Freude.

Quelle: Foto (c) Birgit Kastler, Foto Besier
Quelle: Foto (c) Birgit Kastler, Foto Besier

MZ: Dass du Musik, familiär bedingt in den Genen hast, wissen wir bereits. Aber du hast ja auch die Gabe, dein Können weiter zu geben. Wie empfindest du die Arbeit, Studenten und Schüler an der Akademie für Tonkunst zu unterrichten?

Caroline»» Die Arbeit mit Studenten ist nicht nur bereichernd, sondern für mich auch sehr lehrreich und inspirierend, da ich ja auch Repertoire mit ihnen arbeite, das ich selbst in Konzerten spiele. Aber auch mit den Kleinen ist es eine ganz andere Welt, meine Faszination für die Geige zu vermitteln, etwas von den Millionen Geheimnissen des vier-saitigen Instrumentes weiterzugeben und schrittweise die Kinder aufzubauen. Ich bekomme viel zurück, wenn das alles dann Früchte trägt und ich sehe, dass die Kinder mit Freude spielen und Musik zu etwas bereicherndem in ihrem Leben wird. Link zu Caroline Adomeit`s Webseite an der Akademie für Tonkunst

MZ: Ich weiß ja, dass du deine 3. CD vorbereitest. Es wird wieder eine Cross-Over CD werden. Dieses Mal von BAROCK TO ROCK. Wie ist es dazu gekommen?

Caroline»» Eigentlich durch die Konzerte, in denen ich Barock spielte, aber auch Pop Songs gecovert habe. Viele Menschen aus dem Publikum fragten mich, ob sie das Programm mitnehmen könnten in Form von CDs… so habe ich alles aufgenommen 🙂

MZ: Was ist das Besondere an deinen Arrangements?

Caroline»» Das ist für mich selbst schwer zu sagen, bzw. kann ich nicht beurteilen. Ich arrangiere natürlich als Geigerin, d.h. geigerisch passend. Besonders wäre vielleicht, dass ich aus sehr unterschiedlichen Genres Stücke arrangiere, z.B. Film, Pop, Rock, aber auch klassische Werke aus Opern, Klaviermusik und Renaissance usw. Meist entstehen die Arrangements und Impros spontan, ohne Noten…Weit ab von jeder Theorie entsteht meine Musik, live…als lebendiges akustisches Erlebnis. Allerdings ist es des öfteren vorgekommen, dass nach Noten gefragt wird von den Arrangements, sodass ich sie in Zukunft aufschreiben werde.

MZ: In jeder Branche, in jedem Metier gibt es Vorbilder. Gibt es für dich Vorbilder?

Caroline»» Ja, sogar viele. Von den großen Geigern des letzten Jahrhunderts habe ich schon als Kind Aufnahmen gehört, «Heifetz», «Oistrakh», «Milstein» um nur einige zu nennen, dazu gibt es so viele fantastische Geiger, die ich sehr mag, dass ich gar nicht alle nennen kann…z.B. «Hilary Hahn», «Itzhak Perlman», «Frank Peter Zimmermann»…dann natürlich andere große Musiker, nicht nur aus der Klassik, um nur einige wenige zu nennen, denn die Liste ist sehr groß…: «Fritz Wunderlich», «Clara Haskil», «Giora Feidman», «Fazil Say», «Ella Fitzgerald», «Janet Baker», «Benny Goodman» usw.

MZ: Welche Violinisten oder auch Violinlehrer haben dich besonders inspiriert?

Caroline: Alle meine Lehrer haben mich geprägt, jeder auf seine Weise, und ich bin dankbar dafür. Einen sehr großen Einfluss hatte mein langjähriger Lehrer und Vorbild «Herman Krebbers» (Holland, der auch Lehrer von «Frank Peter Zimmermann» war). Ich verdanke ihm sehr viel und bin sehr froh, ihn so lange erlebt zu haben, als Lehrer, Musiker und Mensch.

Quelle: Foto (c) Birgit Kastler, Foto Besier
Quelle: Foto (c) Birgit Kastler, Foto Besier

MZ: Ich weiß, dass du deine 4. CD vorbereitest, was genau wird der Inhalt dieser CD sein und was ist die Motivation für diese CD?

Caroline»» Ich bereite gleichzeitig eigentlich noch 4 CDs vor, mit ganz unterschiedlichen Schwerpunkten. Eine davon beschäftigt sich mit der Renaissance, auch den Ursprüngen der Geigenliteratur damals. Ein anderer Schwerpunkt ist Bach, die anderen 2 wiederum mit vielen Arrangements und mehr möchte ich noch nicht verraten, damit es eine Überraschung bleibt 😉 Es ist auch schon vorgekommen, dass wir etwas ganz anderes aufgenommen haben als geplant, weil es besser in unsere Stimmung gepasst hat…

MZ: Heutzutage sind auch klassische Musiker in social media und Youtube präsent: Hast du einen Youtube Kanal, bzw. Facebook-Seite und wie stehst Du dazu?

Caroline»» Ja. Mein Youtube Kanal heisst: bachtotango und auch auf FacebookTwitter, neuerdings auch Instagram, Iconsquare  bin ich als Musikerin dabei. Ich denke, dass heutzutage das Internet, eine große Chance bietet, für Künstler und Musiker, ihre Kunst bzw. «Message» weiterzugeben und zu verbreiten.

MZ: Im Internet-Zeitalter ist auch immer mehr das «streamen» von Konzerten usw. im Kommen. Würde dich das auch interessieren?

Caroline»» Ja, das finde ich eine gute Idee. So hätten Menschen aus allen Ländern und Gebieten die Möglichkeit, live mit dabei zu sein, sozusagen 😉

MZ: Du hast nun eine Geige aus Italien. Wenn du ein Problem mit ihr hast, fährst du dann nach Italien, oder reicht es, wenn ein Geigenbauer in der Nähe Hand anlegt?

Caroline»» Bei Problemen fahre ich nicht nach Italien, da es hervorragende Geigenbauer auch in Deutschland gibt, denen ich meine Geige bedenkenlos anvertraue.

MZ: Wenn du mit einer Violinistin oder einem Violinisten zusammen spielen dürftest, wen würdest du dir dazu auswählen?

Caroline»» Das ist eine schwere Frage, denn es gibt zu viele tolle Geiger und Geigerinnen. Aber es wäre mir eine sehr große Ehre, mit «Hilary Hahn» oder «Itzhak Perlman» oder um auch einen Pianist zu nennen, «Fazil Say», auf der Bühne stehen zu dürfen.

MZ: Stell dir vor, du sollst Musik für einen Film schreiben: Für welches Film-Genre würdest du was schreiben wollen/können?

Caroline»» Ich habe eine romantische Ader, mag auch sehr gerne die «Jane Austen» Bücher (und Filme), «Bronte sisters»  (z.B. Charlotte Bronte: Jane Eyre) usw. und könnte mir vorstellen, für dieses Genre etwas zu schreiben, oder auch etwas lustiges (Komödie) oder sogar spannendes (Krimi) und dazu sogar mitzuwirken als Geigerin.

MZ: Deine Spezialität ist ja, Programme am Abend zu spielen, bei dem das Konzertprogramm erst durch die Zuhörer durch ein Voting bestimmt wird. Wie viele Violinwerke könnten dabei auf dem Wunschzettel stehen?

Caroline»» Oh, das ist ein gute Frage…das kommt darauf an, beim letzten Mal, waren es glaube ich an die 50-60 verschiedene Stücke.

Noch ein paar Fragen zu «Caroline ganz privat»

MZ: Was waren deine Stärken in der Schule und welches Fach mochtest du so gar nicht?

Caroline»» Ich war unbeabsichtigt eigentlich in allem gut… (Fun Fact: Caroline übersprang 2,5 Klassen in ihrer Schulzeit im Gymnasium). Aber Lehrerbedingt, mochte ich z.B. Erdkunde nicht so gerne (ich sah in lauter Auswendiglernen von Bergen, Flüssen irgendwie keinen Sinn). Auch Sport mit Ball-Spielen (z.B. Handball, Basketball) habe ich ab dem Gymnasium nicht gemacht, da es zu gefährlich war für meine Hände. Aber dafür durfte ich dann Tischtennis, Federball, Schwimmen usw. 😉

MZ: Was ist dein Lieblingsessen und trinkst du lieber Sekt oder Selters?

Caroline»» Oh, also ich esse sehr vieles gerne, aber ohne Schokolade könnte ich mir fast keinen Tag vorstellen ;). Berufsbedingt trinke ich eigentlich immer Wasser (muss ja nüchtern und fit sein), und nur sehr selten Sekt, genieße dann auch gerne den «echten“ Champagner», dessen Fan ich nach nur einmal Probieren geworden bin…;)

MZ: Gibt es für dich einen Lieblings Film und wenn ja, hat er mit Filmmusik zu tun.

Caroline»» Es gibt so viele tolle Filme aus unterschiedlichen Genres, da kann ich mich für keinen entscheiden. Aber Filmmusik mag ich sehr gerne, als Geigerin zu erwähnen wunderschöne Soundtrack mit «Itzhak Perlman» aus «Schindler`s List» von «John Williams», aus «Titanic» «My heart will go on», «Enya» aus «Lord of the Rings», «May it be» und sooo viele mehr…..

MZ: Bleibt neben der vielen Musik noch Zeit für einen Lieblingssport, wenn ja welcher?

Caroline»» a, klar 🙂 Ich tanze sehr sehr gerne, schwimme, mag es auch einfach raus in die Natur zu gehen und stundenlang zu laufen. Das gehört auf jeden Fall für mich als Profi-Musikerin mit ins Programm als Ausgleich und macht mir viel Spass.

Anmerkung MZ (Thomas Nolte) Das Interview wurde aus zeitlichen Gründen schriftlich geführt. Ich danke Caroline Adomeit für die Durchführung des Interviews.

Weitere Informationen zu Caroline Adomeit

Vita

Caroline Adomeit ist eine junge Ausnahmegeigerin, die mit ihren “Musikalischen Saitensprüngen von Bach bis Tango” in über 300 Konzertauftritten in ganz Europa Aufsehen erregt hat. Ihre abwechslungsreichen und außergewöhnlichen Konzertprogramme machen jedes Konzert zu einem unvergesslichen Erlebnis. Ihr umfangreiches Repertoire umfasst mehr als 250 Werke, darunter mehr als 70 mit Orchester.

Nach dem Motto „Musik kennt keine Grenzen“ begeistert sie  in „meisterlichen Crossover“ in „einem sensationellen Erfolg“ (Darmstädter Echo, 14.1.2014) z.B. im ausverkauften Wunschkonzert, wo das Publikum noch am Abend aus über 50 Stücken das Konzertprogramm mitgestalten konnte. Ihre immense Bandbreite, nicht nur üblicher Violin-Literatur sondern auch eigener Arrangements von Musik u.a. aus Film, Pop, Musical und internationaler Folklore, geigend, tanzend und moderierend, faszinieren Publikum und Presse.

 Die preisgekrönte Künstlerin trat u.a. mit Daniel Hope, dem Hessischen Staatsorchester Wiesbaden, der Philharmonie Baden-Baden, dem Mainzer Kammerorchester, den “English Strings-Orchestra” und den Mainzer Kammersolisten auf.

 Das renommierte internationale Magazin für Streicher “The Strad“ entdeckte und berichtete hervorragend über ihre erste CD ”Bach to Tango”.

Ihre Debut CD bei „oehmsclassics“ “Bach to Jazz “ wurde vom Label “Naxos” ausgewählt als “Highlight CD Mai 2012” und mit einem internationalen Preis in Canada ausgezeichnet.

Studien bei renommierten Solisten wie Kolja Blacher, Prof. Herman Krebbers (Holland), Prof. Ingolf Turban (München), sowie Meisterkurse bei Prof. Antje Weithaas und Prof. Zakhar Bron, haben Caroline Adomeits bisherige Konzertlaufbahn geprägt.

Quelle Fotos

Birgit Kastler, Foto Besier, Link Webseite, Link Facebookseite

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Quelle: Foto (c) Veranstalter
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