Marius Müller-Westernhagen „MTV unplugged“ in der SAP Arena (16.12.2017)

Foto: Joerg Steinmetz – Virgin Records

(Mannheim) Klotzen statt kleckern: für die  „MTV unplugged“-Tournee von Marius Müller-Westernhagen hatte der Veranstalter Semmel Concerts Entertainment in Mannheim die SAP-Arena gewählt und das war gut so. Volle 7.000 Zuschauer hatten sich eine Karte gesichert. Effektvoll öffnete sich ein roter Vorhang. Die elfköpfige internationale Band, Profimusiker allesamt, dazu zwei Backgroundsängerinnen und ein -sänger setzten ein, die Menge pfiff und jubelte. Und dann Müller-Westernhagens unverwechselbare Stimme! Seine selbstironischen Texte macht ihm so schnell keiner nach. „Geiler is schon“ kam als erstes, ein ruppiges Sehnsuchts- und Liebeslied: „…ich sing den Blues und Du machst die Wäsche…“ Nie ohne Hut, nie ohne Gitarre, in wechselndes Licht getaucht, weiß Müller-Westernhagen, seit 50 Jahren Musiker, nach wie vor das Publikum zu packen. „MTV unplugged ist im Sitzen, aber das heißt nicht, dass ihr nicht alles machen könnt: tanzen, schunkeln, aufspringen“ ging der Sänger schon bei der Begrüßung locker auf das Publikum zu. Schon beim dritten Lied „Mit Pfefferminz bin ich Dein Prinz“ hielt es die Menge nicht mehr auf den Sitzen, Toben war angesagt.

Foto: Daniella Midenge

Was noch nicht alle Müller-Westerhagen-Fans kannten: zusammen mit seiner Lebenspartnerin, der südafrikanischen Sängerin Lindiwe Suttle, sang er seine Neukomposition „Luft um zu atmen“. Es war ein intensives Liebeslied, was da erklang: Sanft der Rhythmus, dann und wann schmelzende Geigen und Suttles eindrucksvolle Soulstimme, in die der Partner zunächst zurückhaltend einfiel: „…feier die Liebe und fürchte dich nicht vor dem Tod“. Die Blicke der beiden trafen sich, im Singen wurde ihre tiefe Verbundenheit deutlich. Dann eine ganz andere Stimmung und harte Riffs, denn vier Akustikgitarren machten richtig Tempo: das trotzige Überlebenslied „ Es geht mir gut“ kam, bei diesem Evergreen hielt es die meisten Zuhörer nicht mehr auf den Sitzen. Müller-Westernhagen führte auch im MTV-Konzert durch ein Wechselbad der Gefühle und stimmte „Weil ich dich liebe“ an, hochemotional von Gitarren und Geigen begleitet. Der Gesang schwoll an, kaum jemand im Publikum sang nicht mit.
Müller-Westernhagen steht dazu, ein politischer Sänger zu sein, bewies dies mit „Liebe um der Freiheit willen“ und den Versen „Freiheit, Freiheit für alle Rassen, für alle Kulturen, Freiheit für die Junkies, Freiheit für die Huren, für die Frauen, für unsere Kinder…“ und bekannte: „Für Demokratie muss man kämpfen!“ Immer wieder kamen Überraschungen: „Willenlos“, das selbstironische Lied seiner Liebesodyssee von Carmelita bis zu Natascha aus Nowosibirsk erklang in einer Mischung von Pop und Irish Folk mit Akkordeon, Geige und Tin Whistle – in der SAP–Arena kehrte der Ausnahmezustand ein!
Ein Blick auf sein Werk: Das Album „Wahnsinn“ hält er trotz mäßigen Erfolgs am Markt für sein bestes, und ließ hier in Mannheim daraus „Rosen“ und „Taximann“ hören. Es folgte „Sexy“ mit dem ironischen Refrain „Du bist ´ne Waffe, für die es keinen Waffenschein gibt“ und dann sein großes Comeback-Lied „Ich bin wieder hier/ In meinem Revier“, emotional, ohne jemals kitschig zu sein. Müller-Westernhagen ging von der Bühne. Sofort schallten Zugaberufe von den Rängen, das Publikum ließ Müller-Westernhagen nicht los. Man ist gewohnt, „Johnny W.“ als letztes Lied zu hören, aber bei so viel Publikumsjubel schob der Sänger noch seinen sehnsüchtigen Mega-Hit Freiheit“ nach und es gab wohl kaum einen in der Halle, der nicht mitsang und schließlich als Dank an den Sänger und seine Band das finale „O , wie ist das schön“ anstimmte.

Foto: Daniella Midenge

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