Night of the Proms 2017 – 20.12.2017 Festhalle Frankfurt

(Frankfurt) „Night of the Proms 2017“ war ein Spektakel der Superlative, ein Abend der Überraschungen für die über 10.000 Zuschauer, die die Festhalle restlos füllten. Dunkelheit schien sich über die Halle zu senken, als ein Lichtspot auf ein Klavier mitten in der Menge fiel. Daran saß eine junge, sehr natürlich wirkende Frau, die die erste Melodie anschlug. Es war die 16-jährige Emily Bear aus den USA, eine Art musikalisches Wunderkind, die bereits als Vierjährige Klavierunterricht hatte, als Sechsjährige im Weißen Haus Präsident George W. Bush vorspielen durfte und inzwischen mit ihrem Mentor, dem legendären Quincy Jones, sieben Alben herausbrachte. Pop, Jazz, Filmmusik und mehr – ganz dem „Night of the Proms“-Motto „Klassik trifft Pop“ entsprechend ist sie in vielen musikalischen Genres zu Hause. Mit einer schwungvollen Handbewegung drehte sie sich zur Bühne. Die brasilianische Dirigentin Alexandra Arrieche gab dort den Einsatz und die 72 Profi-Musiker des international besetzten Antwerp Philharmonic Orchestra spielten mit Emily zusammen die La La Land Ouvertüre. Unentbehrlich aber auch die Begleitung des Orchesters durch die 24 Sänger und Sängerinnen des Chores Fine Fleur mit Dirigent Edwig Abrath, dazu die Background-Sänger der großen Stars, das Trio „Pretty Vanillas“. Nicht nur ein Ohrenschmaus: fulminante Lichteffekte schienen ein Feuerwerk auf die Riesenleinwand zu zaubern, einen Wasserfall an Farben, der die Halle laufend verwandelte. Zwischendurch war das Gesicht der schönen Dirigentin in Großaufnahme zu sehen.

International und doch echte Berliner Jungs: Culcha Candela rissen die Zuhörer von den Sitzen, brachten Wildfremde zum „Take five“, verwandelten die Riesenhalle in eine Partyzone und boten „Hamma“ im heißen Sambarhythmus. Dann wieder die junge Emily samt Orchester beim Vollblut-Crossover: nach der James Bond-Filmmusik „Skyfall“ erzählte ein Mann aus dem Publikum, ehemaliger Pilot, von einem Flugzeugabsturz, den er knapp überlebt hatte. In Minutenschnelle improvisierte die 16-jährige das Klangbild eines Absturzes auf dem Klavier

Dann der nächste Superstar: Peter Cetera, seit Jahrzehnten im Showgeschäft, gönnte sich hier mit seinem internationalen Nummer-Eins-Hit „You ´re my inspiration“ eine nostalgische Erinnerung an frühere Deutschland-Auftritte. Ein 30 Jahre alter Titel und immer noch ein Publikumsmagnet: auch bei „Glory of Love“ samt der Erinnerung an den Film „Karate Kid II“ tobte das Publikum.

Früher Mitglied der populären „Spice Girls“, hat Melanie C. als einzige der fünf eine Solo-Karriere geschafft. Im langen schwarzen Glitzerkleid stand sie hier auf der Bühne, eine Frau mit unglaublicher Präsenz. So wie sie sich einst mit „First day of my life“ auf Platz 1 der deutschen Charts schoss, erinnerte sie hier mit diesem Lied an die Telenovela „Wege zum Glück“ und  zog die Zuhörer in ein Gefühlsbad. Einst im Original mit Brian Adams, sang Melanie C. hier zusammen mit John Miles in einem Ausnahme-Auftritt „When you ´re gone“. Da staunte der Moderator Marcus Fahn: „Leute, was für ein Duett!“ Berührender noch mit welcher Freude die beiden auftraten und selbst im Bann der Musik waren! Emily spielte am Klavier eine Rachmaninov-Komposition, Miles improvisierte eine Gitarrenbegleitung und hielt dann doch kopfschüttelnd inne – so viel Talent war ihm wohl noch nie vorgekommen. Der Sänger ist sozusagen der Philosoph von „Night of the Proms“. Sein Song „Music was my first love“, 1996 herausgekommen, könnte das Motto der Reihe sein, in der er seit 23 Jahren unentbehrlich dabei ist. Diesen Titel sang er auch jetzt in der Festhalle, war dabei in zauberhaftes blaues Licht getaucht – man kann getrost von magischer Musik sprechen!

Und noch ein sympathisches Supertalent bei „Night of the Proms“:  „Leute, kommt nach vorne, ich will euch ins Gesicht sehen!“ lockte Roger Hodgson, schon bei „Breakfast in America“ in den Schnittpunkt zweier zusammenlaufender Laserstrahlen getaucht. Doch was war das gegen die Publikumsreaktion, als er „Dreamer“ sang, als er mit „Give a litte bit“ nachlegte! Dann nur noch das rauschende Finale: alle Akteure standen auf der Bühne und sangen „Sky full of stars“ von Coldplay – Ende eines großen Abends. Aber nicht ohne erneute Überraschung: Emily Bear hat auch eine schöne Singstimme, vielleicht in Zukunft ihr zweites musikalisches Standbein?

Diesmal verpasst? Ganz entspannt – schon sind Tickets für „Night of the Proms 2018! Zu kaufen.

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