Sibel Kekilli: Zwischen den Welten

Für Türken zu deutsch, für Deutsche nicht deutsch genug

<Hamburg> (cat). Ganz klar – um erfolgreich im Job zu bleiben müssen Schauspieler immer ihr Bestes geben. Doch laut Sibel Kekilli liege der Maßstab für „Menschen mit Zuwanderungsgeschichte“ noch höher. „Gleich gut zu sein reicht hier definitiv nicht“, so die Actrice. Kekillis Eltern kamen aus der Türkei nach Deutschland. Sie selbst erblickte in Heilbronn das Licht der Welt. Oft sieht sich die Charakterdarstellerin wegen ihrer Herkunft diskriminiert. „Ich bin für die Türken zu deutsch und für die Deutschen nicht deutsch genug“, so Kekilli zu „Die Zeit“. Vor allem frustriere die 38-Jährige, dass Medienvertreter immer wieder irritiert seien, wenn sie keine Türkin spiele. Seit ihrem Film „Gegen die Wand“ sitzt Kekilli völlig „zwischen den Stühlen“. „Ich werde vor allem von Türken beschimpft, beleidigt, sexuell belästigt – ich erhalte Morddrohungen“, beklagte die Ex-„Tatort“-Ermittlerin vor einiger Zeit. Rassismus begleite sie von klein auf – bis heute. „Ich bin mir sicher, dass ich wegen meiner türkischen Herkunft auch weniger und andere Rollen bekomme“, so die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes. Als Schauspielerin wurde Kekilli vor allem durch Filme des Regisseurs Fatih Akin bekannt. 2011 war sie das erste Mal in der megaerfolgreichen US-Serie „Game of Thrones“ zu sehen und sorgte mit ihrer Rolle als Geliebte des Zuschauerlieblings und Golden-Globe-Gewinners Peter Dinklage für Furore. Im TV spielte die Deutsch-Türkin von 2010 bis 2017 im Kieler „Tatort“ an der Seite von Axel Milberg die Kommissarin Sarah Brandt. Kekilli, die sich im Auftrag der Organisation Terre des Femmes für Frauenrechte engagiert, äußerte sich unter anderem auch zur #MeToo-Debatte über Sexismus. Mutig: Im Zuge der Gezi-Park-Proteste demonstrierte die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes in der Türkei und stellte sich 2013 auf die Seite der Demonstranten und gegen den amtierenden Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

 

 

BU: Sibel Kekilli ist eine starke Frau und das zeigt sie nicht nur in ihren Rollen.
Foto: highgloss.de

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