Vanessa Mai – Live in der Jahrhunderthalle Frankfurt

Foto: Sandra Ludewig

(Frankfurt) Wolkengebilde formten sich auf den fünf Großleinwandflächen der Jahrhunderthalle Frankfurt zum Gewitter, Blitze schienen daraus zu zucken, ein Lichtregen fiel zur Erde. Dann war eine Stimme als Intro zu hören: „Sieben Farben hat das Licht, sieben Töne die Musik, sieben Farben der Regenbogen. Sieben ist eine magische Zahl. Mit sieben Tönen kann ich euch verzaubern – aber der Regenbogen verzaubert uns alle.“ Wirkungsvoller hätte Vanessa Mai ihre Regenbogen-Tour nicht beginnen können. Noch flammte der Blitz- und Sternenregen, als sie auf einer versenkbaren Plattform auf die Bühne gehoben wurde und „Nie wieder“ anstimmte. Die 26-jährige ist attraktiv genug, um in einem knappen roten Outfit vor ihr Publikum zu treten. Schon nach den ersten Takten hatte sie die Zuhörer „von jung bis jung“, wie sie meinte, voll in der Hand! In Wirklichkeit war das 2000-Personen-Publikum quer durch die Generationen!

Foto: Sandra Ludewig

„Mein Herz schlägt Schlager“ war 2016 war der Titel eines ihrer TV-Specials. So war es nicht verwunderlich, dass sie auch in Frankfurt souverän die Vorurteile gegen Schlager kritisierte:„Wir passen in gar keine Schublade!“ Unter Jubel, Pfiffen, Zustimmung aus dem Publikum plädierte sie für Freiheit von musikalischen Vorurteilen, für lockeres Genießen. Sie brachte eine kleine Premiere, den brandneuen Song „Wiedersehen“, exklusiv zunächst nur auf dieser Tour zu hören. Später wurde ein weiterer neuer Song vorgestellt. Dann Lichtkaskaden, Schwarz-weiß-Effekte auf der Bühne, vor denen sich Vanessa Mais Schatten effektvoll abhob – ihr Titel „Der schönste Moment“ erklang. Unverzichtbar bei der Live-Show war die vierköpfige Band, bei der Begleitung ebenso überzeugend wie bei Solopassagen in den vier Outfit-Wechseln der Künstlerin. Und das Tanzen? Unvergessen beim Publikum ist der Unfall im April 2018, den Vanessa Mai im Vorfeld bei den Proben erlitt. Es muss sie Disziplin, Überwindung von Angst und Selbstzweifeln gekostet haben, wieder auf der Bühne zu tanzen. Das trug ihr zusätzliche Sympathien des Publikums ein. Denn in der Jahrhunderthalle war sie wieder in Bestform. Das zeigte sich beim Latin Pop- angehauchten Titel „Jeans, T-Shirt und Freiheit“, wo sie, rot angestrahlt, in einer Gruppe ähnlich attraktiver Tänzerinnen und Tänzer, auftrat. Ein ehemaliger Tanzpartner der „Let´s dance“-Finalistin Mai war hier mit auf der Bühne, aber auch andere Teilnehmer dieses Formats saßen im Publikum. Offensichtlich konnte sich auch der Kameramann Vanessa Mais Sex-Appeal nicht entziehen und fuhr sich einen charmanten Tadel ein, als er allzu genau ihren Po fokussierte.

Eigentlich hätte sich der Veranstalter Semmel Concerts die Bestuhlung sparen können. Mai setzte voll auf Partystimmung, lud ihr Publikum ein, nach vorne zu kommen, mitzusingen, mitzutanzen, auch gegen die Bedenken der Security. Groove-betonte Nummern, gefühlvolle Balladen und der unentbehrliche Showanteil verbanden sich zu einer mitreißenden Performance. So bei „Regenbogen“, dem Titelsong ihrer neuen CD wie auch dieser Tour. Aber auch ältere Publikumslieblinge: „Schönster Moment“, „Wenn ich träum“ und sogar ein Cover von Matthias Rein „Verdammt, ich lieb dich“ folgten. Logisch, dass die aufgekratzten Zuhörer Vanessa Mai nach dem Tumultapplaus nicht kurzerhand von der Bühne gehen ließen. Sie ließ sich Zugaben entlocken, vielleicht am schönsten „ Ich sterb für dich“. Typisch das Votum eines älteren Zuhörers im Nachgespräch: „ich bin eigentlich kein Schlagerfan, aber die Performance von Vanessa Mai hat mich rundum überzeugt!“

Foto: Sandra Ludewig

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